Negritas Brief an alle schwarzen Katzen, andere Glücksbringer und Menschen

Guten Tag Ihr Lieben,

 

hier kommt ein Beitrag, den ich vor drei Jahren im Rahmen einer Blogparade geschrieben habe. Es ist, wenn ich mich recht erinnere, der einzige Blogbeitrag zu einer Blogparade. Viel Freude damit!

 

Liebe Grüße

 

Paula Grimm

 

Negritas Brief zum Thema der Blogparade des Museumsblogs: Leben ohne Zufall? Blogparade zum Thema \“Aberglauben\“

An alle schwarzen Katzen, andere Glücksbringer und Menschen mit und ohne Aberglauben

Guten Tag Ihr Lieben,

bei diesem Thema kann ich mein schwarzes Maul und alle vier schwarzen Pfoten einfach nicht still halten. Und ich muss gleich erwähnen, dass ich wohl nicht im Stande bin, das Thema ganz kurz und bündig abzuhandeln. Freundlicherweise hat mir die Paula ihren Arbeitsplatz und Webspace in ihrem Blog überlassen und zwar so viel ich brauche.

Damit Ihr wisst, mit wem Ihr es zu tun habt, stelle ich mich kurz vor. Ich bin eine schwarze Katze mit Migrationshintergrund, wie Mensch in deutsch gerade so sagt. Und mein Name passt zu mir und beschreibt mich genau. Ich heiße Negrita, die kleine Schwarze. Und ich trage einen spanischen Namen, da ich die ersten zehn Monate meines Katzendaseins auf den Straßen von Barcelona gelebt, besser gesagt, mein Leben gefristet habe.
Inzwischen habe ich viereinhalb Jahre auf dem Buckel und kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass ich mich im Leben auskenne, da ich mit allen vier Pfoten fest im Leben stehe, sicher klettere und umsichtig schleiche.

Ich kenne mich aus, so gut man sich eben auskennen kann. Und ich kenne mich auch mit Euch Menschen aus, mit Eurer Jagd nach Glück, Eurem Glauben und Aberglauben, Eurer Einstellung zu den Wechsel bzw. Zufällen des Lebens und mit Euren Ideen zum Thema Glück und Vermeidung von Unheil.

So wie ich Euch Menschen bezogen auf die erwähnten Lebensbereiche kennengelernt habe, bin ich stark versucht Euch in allen Punkten als absolut hoffnungslose Fälle zu bezeichnen. Aber man soll die Hoffnung niemals aufgeben. Und das ist ein nützliches Prinzip, um Glück zu erleben und Unheil zu vermeiden. Voraussetzung ist jedoch, dass man nach Möglichkeit Hoffnung nicht mit Illusion verwechselt. Denn die Pflege von Illusionen führt unweigerlich zum Perfektionswahn, für den Ihr Menschen ohnehin übermäßig empfänglich seid. Wann lernt Ihr endlich Hoffnungen von Illusionen zu unterscheiden? Und wann begreift Ihr endlich mit Kopf, Herz und Hand, dass Glück erleben aber auch die Vermeidung von Pech keinen Perfektionswahn vertragen? Dabei macht es keinen Unterschied, ob Ihr einem oder gleich mehreren selbsternannten spirituellen Führern und ihrer Flut von Anweisungen folgt, ob Ihr Euer Heil in der Flucht vor der Realität sucht, oder ob Ihr Euch irgendeinen Aberglauben selbst zusammenzimmert. Durch dieses Verhalten werdet Ihr immer weniger Glück verdienen und erleben als möglich ist. Und Ihr werdet immer mehr Leid erfahren als notwendig ist.

Ihr sagt: „Das Glück liegt auf der Straße!“ Selbst, wenn das stimmt, werdet Ihr es nie finden und erfahren. Ihr werdet es höchstens überholen, übersehen und überfahren. Und ich weiß leider allzu genau, wovon ich hier schreibe. Denn erst Vorgestern habe ich bei meinen Streifzügen durch mein Revier zweiter Ordnung eine überfahrene Artgenossin gefunden. Und das war leider sogar eine von den Katzen, die manche von Euch als Glückskatzen bezeichnen, eine dreifarbige europäische Kurzhaarkatze. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich immer mehr Vertreter Eurer Spezies an die alte Weisheit erinnern: „Das Glück der Erde ist auf dem Rücken der Pferde!“

Nichts und niemand ist davor gefeit als Objekt für Eure Jagd nach dem Glück oder zur Vermeidung oder Linderung von Unheil ge- oder missbraucht zu werden. Ihr Glückskäfer mit den Jahrespunkten auf dem Rücken, Ihr Pferde, die Ihr ab und zu Eure Hufeisen verliert und Ihr dreifarbigen Glückskatzen tut alles, was Ihr tun könnt, und was wir vermeintlichen Unglücksbringer auch tun würden, um Menschenglücklich zu machen und ihnen Glück zu bringen! Und nehmt auch Ihr es nicht zu schwer, dass es Euch oft nicht so gelingt, wie es sein soll. Ihr könnt nichts dafür! Sie stehen sich und ihrem Glück mit ihrem Übereifer selbst so gut im Weg, wie sie können und erleben dadurch mehr Unheil als für sie vorgesehen ist.Da kann man nichts tun als so gelassen und geduldig als möglich das eigene Leben für seine Freunde und sich selbst so gut wie man es eben vermag in die Pfote zu nehmen.

Wir schwarzen Katzen zählen im christlichen Abendland eindeutig zu den Unglücksbringern. Aber jede schwarze Katze sollte wissen, dass die Menschen bezogen auf diesen Aberglauben wie der Mond sind. Sie haben ihre Phasen. Unglücksbringer sind wir immer. Aber angeblich bringen wir an Donnerstagen in der Abenddämmerung, wenn wir Menschen über den weg laufen besonders viel Unglück, wenn der Donnerstag der 12. eines Monats ist. In diesem Zusammenhang habe ich mich am Donnerstag dem 12. Dezember 2013 zu zwei Dingen entschieden. Ich will nicht herausfinden, wie die Abergläubischen Menschen ausgerechnet auf dieses schmale Brett gekommen sind, und warum sie offenbar seit mehreren Jahrhunderten an diesem Gedanken festhalten. Außerdem tue ich seit diesem Donnerstag im Dezember nicht mehr so, als könnte ich in dieser Sache auf sie Rücksicht nehmen. Sie sind sich in diesem Punkt ja noch nicht mal einig. Manche glauben, wir dürfen ihnen nicht von links nach rechts über den Weg laufen. Andere behaupten das Gegenteil. Und wieder andere meinen, dass wir ihnen Unglück bringen, wenn wir ihnen überhaupt über den Weg laufen. Wer soll daraus noch schlau werden und sich entsprechend verhalten. Flüche, abwehrende Gesten, hysterische Stoßgebete und Wasserspritzer, die Katze vertreiben sollen, gibt es sowieso. Es ist ein Kreuz mit den abergläubischen Menschen. Dabei gehen wir auch an Donnerstagen, die ein 12. im Monat sind, mit guten Absichten durch unser Katzenleben, wenn wir nicht gerade auf der Jagd nach Ungeziefer sind.

Da es ohnehin sinnlos ist, dem menschlichen Aberglauben und seinen Folgen zu entkommen, werde ich an jedemAbend und Morgen, die der Herr werden lässt, gewissenhaft mein Revier zweiter Ordnung durchstreifen und alles nutzen, was mir auf meinen Wegen so zufällt. Uns Lebewesen fällt alles zu. Denn wir können kaum etwas selbst bestimmen. Wir können nur nutzen, was uns an Gutem zufällt. Und wir können uns nur dem stellen, was uns anUnheil widerfährt. Es könnte sein, das Ihr Menschen nur deshalb so extrem nach Glück jagt und so krampfhaft versucht Unheil von Euch fernzuhalten, da Ihr das mit den Zufällen missversteht. Ich bleibe dabei, dass uns alles zufällt. Nicht nur ein außergewöhnlich großes Glück wie ein neues gemütliches Revier erster Ordnung nach zehn Monaten auf der Straße und alle schrecklichen Ereignisse sind Zufälle. Das sind nur die Zufälle, die seltener auf einen zufallen. Aber jedes Blatt, mit dem ich jagen üben kann, fällt mir vom Baum mit Hilfe des Windes zu. Das ist doch ganz einfach, oder nicht?

Und was die Rituale betrifft, so habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass sie tatsächlich etwas mit dem Glückbringen zu tun haben.Deshalb verlasse ich mein Revier erster Ordnung niemals ohne mich vorher sorgfältig gewaschen zu haben und mich ausgiebig an Topf der großen Palme gerieben zu haben. Das ist ein starker Ausdruck meiner Dankbarkeit, die ich empfinde, da ich jetzt schon über drei Jahre bei freundlichen und anständigen Menschen in einem so angemessenen Revier erster Ordnung leben darf. Und aufrichtige Dankbarkeit erhält das Glück und lockt es an. Unterschiedliche Rituale brauchen Zeit. Und die Zeit, die sie brauchen, brauchen die Lebewesen auch, um innezuhalten, damit sie überhaupt fühlen können, was ihnen da zufällt. Ist es etwas zu- oder abträgliches? Das Innehalten taugt auch dafür, dass man sich sammeln, sich dem Elend stellen oder einen Glücklichen Zufall nach Herzenslust genießen kann.

Es gäbe da noch so viel zu sagen. Aber ich lasse es damit erst einmal bewenden und wünsche Euch allen viel Glück, eine gute Entwicklung Eurer Intuition, bei der Gefühl und Verstand sinnvoll zusammenarbeiten und die angemessenen Rituale! Und Ihr lieben Zweibeiner tut Euch und uns anderen Lebewesen den Gefallen daran zu denken, dass auch bezogen auf das Glück weniger mehr ist.

Liebe Grüße
Negrita (Texthase Online)

Autor: PaulaGrimm2412

Paula Grimm ist das Pseudonym für meine Arbeit als Autorin. Ich wurde am 24. Dezember 1965 in Issum im Kreis Kleve geboren, bin seit Geburt vollblind und ursprünglich Diplompädagogin von Beruf. Seit Oktober 2004 lebe ich wieder am linken Niederrhein, war freiberufliche Lebensberaterin und Webtexterin für unterschiedliche Schreibbüros und Webportale und bin seit August 2016 offiziell freiberufliche Autorin. Ich bin prosaisch. Aber treibe es bezogen auf Prosatexte thematisch und stilistisch bunt.

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