Kurzprosa: Hildes Todesfall

Guten Tag Ihr Lieben,

 

hier kommt der älteste Text von mir, der erhalten ist, obwohl viele andere Texte, die vor dem Jahr 2004 geschrieben wurden, verschwunden sind oder von mir vernichtet wurden. Diesmal habt ihr die Wahl, ob ihr hören oder lesen möchtet, was bei und nach dem U-Bahnunfall passiert.

 

Liebe Grüße

 

Paula Grimm

 

Hildes Todesfall

„Die Hilde ist plötzlich aufgestanden und auf eine junge Frau zugegangen. Die stand mit Freunden ziemlich nah bei den U-Bahngleisen. Die jungen Leute stritten darüber, was sie mit dem Freitagabend anfangen sollten. Die Hilde hat die junge Frau gegrüßt. Jedenfalls nehme ich das an. Verstehen konnte ich nichts. Sie machten gerade wieder eine Durchsage. – Doch, die Hilde hat sie gegrüßt, schüchtern, wie wir das machen, wenn wir Leute treffen, die wir von früher kennen. Die junge Frau hat auch etwas gesagt. Und eine Bewegung mit dem Arm hat sie gemacht. Die Hilde wankte, fiel ins Nichts, während die Linie 12 einfuhr. Und plötzlich fielen die Geräusche ineinander, wurden zu einem einzigen mächtigen Geräusch. Da macht man die Augen zu oder guckt weg, weil das Geräusch mit einem Mal so mächtig, übermächtig, ist, dass man erst mal mehr als genug hat.“ „Fiel ins Nichts, so ein Quatsch! Halt dein versoffenes Maul Alte!“ Inge antwortete nicht auf die Beschimpfung des jungen Mannes. Er war wie die anderen jungen Leute instinktiv zurückgewichen und stand jetzt unmittelbar neben Inge, die immer noch auf der Bank saß, auf der sie bis vor wenigen Sekunden, bis vor einer halben Ewigkeit, mit Hilde gesessen hatte.

Sie sah nicht zu den Gleisen hinüber. Sie wusste, dass es dort nichts zu sehen gab, was sie verstehen konnte. Sie betrachtete die jungen Leute. Der junge Mann, der sie beschimpft hatte, war seiner Haltung nach der unumstrittene Anführer. „Also hat der bloß eine dicke Lippe riskiert, weil die Anderen es von ihm erwartet haben, vorsichtshalber sozusagen!“ dachte Inge. Es war das typische Cliquenverhalten. Aber waren sie nicht alle doch schon ein bisschen zu alt für eine typische Clique? Hilde wusste aber, dass man sich immer so leicht verschätzte, weil die Meisten immer anders wirkten und sein wollten, als sie waren. Alle waren sorgfältig zurecht gemacht. Inge konnte sich nicht daran erinnern, jemals so aufgetakelt gewesen zu sein, obwohl sie auch bessere Zeiten erlebt hatte als diese, wesentlich bessere Zeiten. Dieser junge Mann und seine Freunde mussten nicht wissen, warum Inge mit sich selbst geredet hatte. Sie wollte doch nur begreifen, was passiert war, und was vorging. Für den Anfang musste dazu wohl eine einfache logische Kette genügen. „Fremde Leute beschimpfen, aber die ganze Zeit nur auf die Armbanduhr starren. – Dich meinen und dich doch nicht meinen, so ein feiger Hund!“

Leute von der Feuerwehr, dem technischen Hilfswerk und der Polizei trafen ein. „Guten Abend! Die Station muss geräumt werden, wenn Sie bitte so freundlich wären, uns n oben zu begleiten, damit wir Ihre Personalien aufnehmen können, und Sie uns freundlicherweise erklären können, was Sie gesehen haben!“, sagte eine junge Polizeibeamtin zu ihnen. Und Inge rappelte sich auf. Gerade das Aufstehen war für Inge seit einiger Zeit doch sehr beschwerlich. Aber einmal in Gang gekommen, wurde es zumindest etwas leichter. „Warum sollen wir mitkommen? Wir haben mit dieser, äh, Sache nichts zu tun!“ beschwerte sich der Anführer stellvertretend für alle Cliquenmitglieder. Die Beamtin würdigte er zwar eines Blickes, war aber ansonsten nicht freundlicher als zu Inge. „Wir wollen nur Ihre Zeugenaussagen aufnehmen!“ erklärte die Polizistin ruhig. Und die jungen Leute folgten den Beamten, wenn auch widerwillig zur Rolltreppe, die ins Zwischengeschoss der U-Bahnstation fuhr.

Inge bildete das Schlusslicht.

Als sich Inge auf die Rolltreppe stellte, musste sie an etwas denken, dass Hilde gesagt hatte: „Es ist ganz egal, wann man mit der Rolltreppe fährt, die Luft, die von der Klimaanlage hier ‚runtergeschubst wird, beißt immer. Ob sie warm oder kalt, feucht oder trocken ist, sie beißt, weil sie einfach nicht nach unten will.“ Und Hilde und Inge waren die Letzten, die ihr das verübelten, obwohl oder gerade, weil sie selbst, sich die meiste Zeit, fast freiwillig, unten aufhielten. In das Mittelgeschoss trauten sie sich häufiger. Denn dort gab es mehrere Imbissbuden und Bäckereien. Manchmal war Hilde aber auch allein auf Beutezug gegangen. Denn sie hatte ein sehr gutes Auge für Leute, die etwas übrig ließen. Und sie konnte unauffällig und geduldig wie eine Katze, die auf Beute lauert, warten, bis etwas für sie abfiel.Nach oben, auf den Markt, gingen sie nur, wenn sie unten vertrieben wurden, was inzwischen nicht mehr ganz so häufig vorkam, wie noch vor ein paar Monaten. Oben hatten andere ihr Revier. Und deshalb ging Inge auch an diesem Abend nur zögernd auf die Rolltreppe, die ganz nach oben führte. – Ganz nach oben?

Auf dem Markt angekommen, führten die Beamten die Gruppe zu einem Polizeiwagen. Inge blieb etwas abseits stehen und wartete darauf, von den Polizisten irgendwann befragt zu werden. Sie stand im Licht einer Straßenlaterne. Die Lampe spendete ein orangefarbenes Licht. Es regnete. Inge war froh darüber, nicht unter einer Laterne mit weißgrünlichem Licht zu stehen. In diesem Licht hätte sie wie eine Wasserleiche ausgesehen. Inge erinnerte sich plötzlich daran, wie es gewesen war, als sie noch eine eigene Wohnung in einem Mietshaus gehabt hatte, und wie es ausgesehen hatte, aus einem höheren Stockwerk bei Regenwetter auf diese orangefarbenen Lampen zu sehen. Von da oben hatte es ausgesehen, als wäre es kein Regen, sondern fließendes Gold, was sich auf die Straße ergoss. „So weit nach oben, dass ich das noch mal sehen kann,komme ich wohl nicht mehr. Und so allein, ohne die Hilde, bin ich inzwischen auch ein zu großer Angsthase, um so weit oben und so normal zu sein. Aber war die Hilde überhaupt jemals so weit oben gewesen, um nachts von oben auf die Orangefarbenen Laternen und den Regen gucken zu können?“

Wahrscheinlich hatte Hilde diesen Anblick nicht gekannt. Denn Hilde kam ursprünglich aus dem Umland der Großstadt, wo alles kleiner und weniger glanzvoll gewesen war. Diese eher ländliche Umgebung hatte Hilde gefallen. Sie hatte häufiger davon gesprochen, zum Beispiel von den Gärten. Aber von der Familie, die sie gehabt hatte, und die zerbrochen war, hatte sie dagegen kaum etwas erzählt. Hilde hatte einen Mann gehabt und zwei Kinder. Die Kinder waren inzwischen erwachsen. Die beiden hießen Niels und Nina und kamen, wie Hilde gemeint hatte, Gott sei Dank auf ihren Vater. „Hilde, erinnerst du dich noch an das Gespräch von den beiden jungen Frauen, die auf die Vier warteten und sich gefragt haben,warum man so oft nicht zu anderen Menschen durchkommt, warum man so oft nicht verstanden wird. Und wie die Eine zu der Anderen sagte dass jeder Mensch eben eine eigene, ganz andere Welt ist. Und dann kam ihre Bahn und du hast gesagt: „Wenn das stimmt, dann ist jeder hier unten eine eigene, ganz andere Unterwelt.“ Und recht hast du gehabt. Und weil das stimmt, musstest du weder mir, noch sonst jemandem alles von deiner buckligen Verwandtschaft erzählen.“

Es dauerte seine Zeit, bis die Beamten, die sich von der Ungeduld der jungen Leute nicht aus der Ruhe bringen ließen, die Personalien und Zeugenaussagen aufgenommen hatten. Die jungen Leute bekamen Termine, zu denen sie sich auf dem Präsidium melden sollten. Und als das vorbei war, standen sie plötzlich alle da, scharrten mit den Füßen, sahen sich in der Gegend um blickten auf ihre Uhren, beschäftigten sich mit dem Inhalt ihrer Taschen oder mit ihrer Aufmachung und konnten auf die Schnelle, an die sie normalerweise gut gewöhnt waren, ihre Unternehmungslust nicht wieder finden.

Die junge Beamtin kam mit ihrem Kollegen auf Inge zu. Und Inge kam das Gesicht der jungen Frau immer bekannter vor. Schließlich mussten sich die Beamten im Bereich der U-Bahnstation gut auskennen, denn hier gab es für sie häufiger etwas zu tun. So kannten sie auch Hilde und Inge, zumindest den Namen nach, und deshalb war Inge keineswegs verwundert, dass die Beamtin zu ihr sagte: „Guten Abend, Inge!“ „Guten Abend! Wissen sie vielleicht, ob die Hilde noch lebt?“ „Die Leute vom technischen Hilfswerk und der Feuerwehr sind noch da unten beschäftigt, aber sie wissen schon, dass die Hilde tot ist. Du hast sie doch gut gekannt, die Hilde!“ „Lieber Gott mach‘, dass die Hilde jetzt so weit unten ist, dass sie nicht noch weiter nach unten fallen muss. Und sei ihrer Seele gnädig!“ Später konnte Inge beim besten Willen nicht mehr sagen, ob sie das Gebet vor sich hingesprochen hatte oder nicht. Aber sie kam damit immerhin dazu, sich so weit zu sammeln, um mit der Beamtin weiter sprechen zu können. „Ja, wir waren seit einem Jahr befreundet. und so lange kannte ich sie auch, na, jedenfalls so ungefähr. Ich weiß aber nicht, wie die Hilde weiter hieß. Bei uns verliert man den Nachnamen zuerst. Ich weiß nur, weil sie das irgendwann wahrscheinlich ausversehen gesagt hat, dass sie nicht so hieß wie der Mann, den sie mal gehabt hat.“ „Und was ist eben passiert?“

„Die Hilde ist plötzlich aufgestanden und auf eine junge Frau zugegangen. Die stand mit Freunden ziemlich nah bei den U-Bahngleisen. Die jungen Leute stritten darüber, was sie mit diesem Freitagabend anfangen sollten. Die Hilde hat die junge Frau gegrüßt. Jedenfalls nehme ich das an. Verstehen konnte ich nichts. Sie machten gerade wieder eine Durchsage. – Doch die Hilde hat sie gegrüßt, schüchtern, wie wir das machen, wenn wir Leute treffen, die wir von früher kennen. Die junge Frau hat auch etwas gesagt. Und eine Bewegung mit dem Arm hat sie gemacht. Die Hilde wankte, fiel ins Nichts, während die Linie 12 einfuhr.“

„Hat die junge Frau sie gestoßen? Ist sie verantwortlich für den Sturz?“ Die Fragen waren naheliegend und berechtigt. Das spürte Inge sofort. Aber das half nicht bei der Beantwortung der fragen. Schließlich fand Inge in ihrem Wortschatz Begriffe für Antworten, Die zumindest einigermaßen taugten. „Ein Gericht wird in dieser Sache nichts finden können, um herauszufinden, wer oder was Schuld ist, nehme ich an. Aber Schuld gibt es wohl schon, alte Schuld, Ungerechtigkeit, die neu geworden ist, durch die Verleumdung und die Abweisung, die Hilde erfahren hat. Die beiden hätten auch viel weiter voneinander weg stehen können. Verleumdung und Abweisung machten den Arm lang genug für eine Berührung, die die Hilde einfach ins Wanken bringen musste, zu Fall bringen musste. Die Hilde war überhaupt nicht unberührbar, im Gegenteil.“ Inge behielt diese Worte genau im Gedächtnis und wunderte sich später darüber, so etwas gesagt zu haben. Sie traute ihren Ohren nicht, als sie sich die Zeit nahm, das Gesagte vor sich zu wiederholen. andererseits konnte sie nichts Falsches darin finden.

„Du sagtest, dass du den Eindruck gehabt hättest, dass sie einander kannten.“ „Ich bin mir sicher, dass sie sich kannten.“ Und ich werde es Ihnen beweisen.“ Langsam, so schnell wie es ihr möglich war, drehte sich Inge um. „Du kannst nicht einfach auf sie zeigen. Man zeigt nicht mit nacktem Finger auf angezogene Leute!“ dachte Inge. Außerdem konnte sie das Gefühl nicht abschütteln, dass ihr Arm viel zu kurz war für eine so weite Geste, selbst wenn sie sie für die Beamten mit einigen Worten angeschoben oder verstärkt hätte. Also ging Inge mit ihren kleinen, unsicheren Schritten auf die junge Frau zu. Einen Augenblick lang sah sie ihr unschlüssig ins Gesicht. Sie überlegte, ob sie ihr die Hand geben sollte. Aber sie war zu schüchtern für diese Handgreiflichkeit, wagte es nicht einmal, die Hand leicht auszustrecken. Doch sie brachte wenigstens den Mut auf, sie direkt anzusprechen und ihrem Blick standzuhalten. „Guten Abend, Nina! Herzliches Beileid zum Tod ihrer Mutter!“ Von der jungen Frau kam keine Reaktion. Doch das war Reaktion und Antwort genug.

© Paula Grimm, 18. Feb

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Negritas Brief an alle schwarzen Katzen, andere Glücksbringer und Menschen

Guten Tag Ihr Lieben,

 

hier kommt ein Beitrag, den ich vor drei Jahren im Rahmen einer Blogparade geschrieben habe. Es ist, wenn ich mich recht erinnere, der einzige Blogbeitrag zu einer Blogparade. Viel Freude damit!

 

Liebe Grüße

 

Paula Grimm

 

Negritas Brief zum Thema der Blogparade des Museumsblogs: Leben ohne Zufall? Blogparade zum Thema \“Aberglauben\“

An alle schwarzen Katzen, andere Glücksbringer und Menschen mit und ohne Aberglauben

Guten Tag Ihr Lieben,

bei diesem Thema kann ich mein schwarzes Maul und alle vier schwarzen Pfoten einfach nicht still halten. Und ich muss gleich erwähnen, dass ich wohl nicht im Stande bin, das Thema ganz kurz und bündig abzuhandeln. Freundlicherweise hat mir die Paula ihren Arbeitsplatz und Webspace in ihrem Blog überlassen und zwar so viel ich brauche.

Damit Ihr wisst, mit wem Ihr es zu tun habt, stelle ich mich kurz vor. Ich bin eine schwarze Katze mit Migrationshintergrund, wie Mensch in deutsch gerade so sagt. Und mein Name passt zu mir und beschreibt mich genau. Ich heiße Negrita, die kleine Schwarze. Und ich trage einen spanischen Namen, da ich die ersten zehn Monate meines Katzendaseins auf den Straßen von Barcelona gelebt, besser gesagt, mein Leben gefristet habe.
Inzwischen habe ich viereinhalb Jahre auf dem Buckel und kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass ich mich im Leben auskenne, da ich mit allen vier Pfoten fest im Leben stehe, sicher klettere und umsichtig schleiche.

Ich kenne mich aus, so gut man sich eben auskennen kann. Und ich kenne mich auch mit Euch Menschen aus, mit Eurer Jagd nach Glück, Eurem Glauben und Aberglauben, Eurer Einstellung zu den Wechsel bzw. Zufällen des Lebens und mit Euren Ideen zum Thema Glück und Vermeidung von Unheil.

So wie ich Euch Menschen bezogen auf die erwähnten Lebensbereiche kennengelernt habe, bin ich stark versucht Euch in allen Punkten als absolut hoffnungslose Fälle zu bezeichnen. Aber man soll die Hoffnung niemals aufgeben. Und das ist ein nützliches Prinzip, um Glück zu erleben und Unheil zu vermeiden. Voraussetzung ist jedoch, dass man nach Möglichkeit Hoffnung nicht mit Illusion verwechselt. Denn die Pflege von Illusionen führt unweigerlich zum Perfektionswahn, für den Ihr Menschen ohnehin übermäßig empfänglich seid. Wann lernt Ihr endlich Hoffnungen von Illusionen zu unterscheiden? Und wann begreift Ihr endlich mit Kopf, Herz und Hand, dass Glück erleben aber auch die Vermeidung von Pech keinen Perfektionswahn vertragen? Dabei macht es keinen Unterschied, ob Ihr einem oder gleich mehreren selbsternannten spirituellen Führern und ihrer Flut von Anweisungen folgt, ob Ihr Euer Heil in der Flucht vor der Realität sucht, oder ob Ihr Euch irgendeinen Aberglauben selbst zusammenzimmert. Durch dieses Verhalten werdet Ihr immer weniger Glück verdienen und erleben als möglich ist. Und Ihr werdet immer mehr Leid erfahren als notwendig ist.

Ihr sagt: „Das Glück liegt auf der Straße!“ Selbst, wenn das stimmt, werdet Ihr es nie finden und erfahren. Ihr werdet es höchstens überholen, übersehen und überfahren. Und ich weiß leider allzu genau, wovon ich hier schreibe. Denn erst Vorgestern habe ich bei meinen Streifzügen durch mein Revier zweiter Ordnung eine überfahrene Artgenossin gefunden. Und das war leider sogar eine von den Katzen, die manche von Euch als Glückskatzen bezeichnen, eine dreifarbige europäische Kurzhaarkatze. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich immer mehr Vertreter Eurer Spezies an die alte Weisheit erinnern: „Das Glück der Erde ist auf dem Rücken der Pferde!“

Nichts und niemand ist davor gefeit als Objekt für Eure Jagd nach dem Glück oder zur Vermeidung oder Linderung von Unheil ge- oder missbraucht zu werden. Ihr Glückskäfer mit den Jahrespunkten auf dem Rücken, Ihr Pferde, die Ihr ab und zu Eure Hufeisen verliert und Ihr dreifarbigen Glückskatzen tut alles, was Ihr tun könnt, und was wir vermeintlichen Unglücksbringer auch tun würden, um Menschenglücklich zu machen und ihnen Glück zu bringen! Und nehmt auch Ihr es nicht zu schwer, dass es Euch oft nicht so gelingt, wie es sein soll. Ihr könnt nichts dafür! Sie stehen sich und ihrem Glück mit ihrem Übereifer selbst so gut im Weg, wie sie können und erleben dadurch mehr Unheil als für sie vorgesehen ist.Da kann man nichts tun als so gelassen und geduldig als möglich das eigene Leben für seine Freunde und sich selbst so gut wie man es eben vermag in die Pfote zu nehmen.

Wir schwarzen Katzen zählen im christlichen Abendland eindeutig zu den Unglücksbringern. Aber jede schwarze Katze sollte wissen, dass die Menschen bezogen auf diesen Aberglauben wie der Mond sind. Sie haben ihre Phasen. Unglücksbringer sind wir immer. Aber angeblich bringen wir an Donnerstagen in der Abenddämmerung, wenn wir Menschen über den weg laufen besonders viel Unglück, wenn der Donnerstag der 12. eines Monats ist. In diesem Zusammenhang habe ich mich am Donnerstag dem 12. Dezember 2013 zu zwei Dingen entschieden. Ich will nicht herausfinden, wie die Abergläubischen Menschen ausgerechnet auf dieses schmale Brett gekommen sind, und warum sie offenbar seit mehreren Jahrhunderten an diesem Gedanken festhalten. Außerdem tue ich seit diesem Donnerstag im Dezember nicht mehr so, als könnte ich in dieser Sache auf sie Rücksicht nehmen. Sie sind sich in diesem Punkt ja noch nicht mal einig. Manche glauben, wir dürfen ihnen nicht von links nach rechts über den Weg laufen. Andere behaupten das Gegenteil. Und wieder andere meinen, dass wir ihnen Unglück bringen, wenn wir ihnen überhaupt über den Weg laufen. Wer soll daraus noch schlau werden und sich entsprechend verhalten. Flüche, abwehrende Gesten, hysterische Stoßgebete und Wasserspritzer, die Katze vertreiben sollen, gibt es sowieso. Es ist ein Kreuz mit den abergläubischen Menschen. Dabei gehen wir auch an Donnerstagen, die ein 12. im Monat sind, mit guten Absichten durch unser Katzenleben, wenn wir nicht gerade auf der Jagd nach Ungeziefer sind.

Da es ohnehin sinnlos ist, dem menschlichen Aberglauben und seinen Folgen zu entkommen, werde ich an jedemAbend und Morgen, die der Herr werden lässt, gewissenhaft mein Revier zweiter Ordnung durchstreifen und alles nutzen, was mir auf meinen Wegen so zufällt. Uns Lebewesen fällt alles zu. Denn wir können kaum etwas selbst bestimmen. Wir können nur nutzen, was uns an Gutem zufällt. Und wir können uns nur dem stellen, was uns anUnheil widerfährt. Es könnte sein, das Ihr Menschen nur deshalb so extrem nach Glück jagt und so krampfhaft versucht Unheil von Euch fernzuhalten, da Ihr das mit den Zufällen missversteht. Ich bleibe dabei, dass uns alles zufällt. Nicht nur ein außergewöhnlich großes Glück wie ein neues gemütliches Revier erster Ordnung nach zehn Monaten auf der Straße und alle schrecklichen Ereignisse sind Zufälle. Das sind nur die Zufälle, die seltener auf einen zufallen. Aber jedes Blatt, mit dem ich jagen üben kann, fällt mir vom Baum mit Hilfe des Windes zu. Das ist doch ganz einfach, oder nicht?

Und was die Rituale betrifft, so habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass sie tatsächlich etwas mit dem Glückbringen zu tun haben.Deshalb verlasse ich mein Revier erster Ordnung niemals ohne mich vorher sorgfältig gewaschen zu haben und mich ausgiebig an Topf der großen Palme gerieben zu haben. Das ist ein starker Ausdruck meiner Dankbarkeit, die ich empfinde, da ich jetzt schon über drei Jahre bei freundlichen und anständigen Menschen in einem so angemessenen Revier erster Ordnung leben darf. Und aufrichtige Dankbarkeit erhält das Glück und lockt es an. Unterschiedliche Rituale brauchen Zeit. Und die Zeit, die sie brauchen, brauchen die Lebewesen auch, um innezuhalten, damit sie überhaupt fühlen können, was ihnen da zufällt. Ist es etwas zu- oder abträgliches? Das Innehalten taugt auch dafür, dass man sich sammeln, sich dem Elend stellen oder einen Glücklichen Zufall nach Herzenslust genießen kann.

Es gäbe da noch so viel zu sagen. Aber ich lasse es damit erst einmal bewenden und wünsche Euch allen viel Glück, eine gute Entwicklung Eurer Intuition, bei der Gefühl und Verstand sinnvoll zusammenarbeiten und die angemessenen Rituale! Und Ihr lieben Zweibeiner tut Euch und uns anderen Lebewesen den Gefallen daran zu denken, dass auch bezogen auf das Glück weniger mehr ist.

Liebe Grüße
Negrita (Texthase Online)

Einer Mutter Gedanken zu Flucht und Vertreibung: Mutter, Mutter, wie weit muss ich reisen?

‚nabend zusammen,

was Ihr in diesem Artikel lest, sind Gedanken zu Flucht und Vertreibung, die ich mir anlässlich der gegenwärtigen Situation und bezogen auf die Tatsache gemacht habe, dass meine Mutter, die auch ein Flüchtlingskind war, gestern 81 Jahre alt geworden wäre. – Ziemlich provisorisch das und vielleicht auch anmaßend, was sie mir hoffentlich nachsieht!

Mutter, Mutter, wie weit muss ich reisen?

Nennt mich Maria. Denn auch das ist einer meiner drei Vornamen. So wurde ich zu Lebzeiten nicht gerufen oder genannt. Aber für diese, meine Zwecke wird es reichen. Mir ist es gleichgültig, ob Ihr das, was ich denke, gut findet, nachvollzieht oder bedeutsam findet. Ich habe ein, nein, viele, ernste Worte mit Euch Nachgeborenen, wie man so sagt, zu reden. Aber auch für die aus meiner Generation, die noch leben, sind diese Zeilen bestimmt. Mir geht es um Flucht und Vertreibung.

Wenn ich die Bilder sehe, die millionenfach zweidimensional und lautstark kommentiert in Echtzeit oder doch fast in Echtzeit um die Welt gehen, dann kommt ziemlich bald ein Augenblick, in dem ich die Augen schließe und mir die Ohren zuhalte, natürlich bildlich gesprochen. Und es stimmt natürlich, dass ich mich so gegen einen Teil des Elends verschließe. Aber anders als zu Lebzeiten ist das kein Ablenkungsmanöver. So kann ich klarer sehen, fühlen, hören und denken den je. Und diejenigen, die sich eine Auszeit für die Arbeit in ihrem Garten, die Schaffung eines gemütlichen Heims, in einem Verein etc. nehmen und nicht den jüngsten Schreckensmeldungen nachjagen, sind häufiger, als bestimmte Meinungsmacher Glauben machen wollen, nicht diejenigen, die nicht helfen, die unbarmherzig sind und vertreiben Menschen weiter treiben wollen. Obwohl die Mentalität „mein Haus, meine Selbstgerechtigkeit, mein Auto!“ natürlich auch gibt. Doch der Schluss, dass diejenigen, die ihren Garten und ihre Tiere pflegen und voller Hingabe ihre eigene Marmelade kochen, weltvergessen „nur ihr eigenes Süppchen kochen“, ist falsch. Gefährlich für die Menschlichkeit, für die Veränderung der Welt sind vor allem diejenigen, die die Zeit die andere Menschen mit kreativen oder familiären Aufgaben verbringen, damit vertun, dass sie darüber lamentieren, wie es alle anderen zu machen haben, was zu tun ist, wie man gefälligst denken soll usw. Selbstgerechtigkeit und Besserwisserei sterben nicht aus und bringen viele Menschen um ihr Heim und Leben. Und sie verhindern notwendige Veränderungen, die allen Kreaturen auf der Welt also auch den Menschen helfen. Diese Selbstgerechtigkeit und Besserwisserei ist geprägt von einer bestimmten Art der Häme, der Häme, die als Pandemie für Geist und Seelen weltweit grassiert. Wer die Schuld an allem Elend einfachen und genügsamen Menschen unterschieben will, weil sie nichts für den „großen Wurf“ tun, der die Welt verbessert, kann das bezogen auf mich gern tun, denn ich stehe dazu, nach dem Grundsatz gelebt zu haben: „Die Dummen hetzen, die Klugen warten, die Weisen gehen in den Garten!“ Und das habe ich gemacht, obwohl ich allzu gut wusste, wie leicht das alles verloren gehen und vernichtet werden kann. Denn die getrockneten Pilze und die Nüsse, die meine Großmutter für den Winter 1944.1945 als Vorrat angelegt hatte, blieben, nachdem wir unser Zuhause in Freimarkt im Kreis Heilsberg verlassen mussten, nur zwei Tage in unserem Besitz. Der kleine wagen, auf dem die Vorräte und meine kleineren Geschwister waren und die Vorräte wurden ihr mit Waffengewalt abgenommen.

Meine Befassung mit dem Thema Flucht und Vertreibung hörte zu Lebzeiten nicht auf und hat auch jetzt noch lange, vielleicht sogar nie, ein Ende. So sehr sie sich auch verändern mag, fängt sie doch immer mit einer scheinbar harmlosen Szene, die sich viel später, 28 Jahre, nach unserer Flucht zugetragen hat. Ihr kennt doch bestimmt das Spiel: „Mutter, Mutter, wie weit darf ich reisen?“ Das haben meine Kinder auch gespielt. Und im Sommer des Jahres 1973 wurde ich Zeugin von dem, was passierte, als meine Töchter dieses Spiel mit Kindern aus der Nachbarschaft spielten und eines meiner Kinder fragte: „Mutter, Mutter, wie weit muss ich reisen?“ Sie verbesserte sich zwar schnell, indem sie die Frage so wiederholte, wie es die Spielregel besagt: „Mutter, Mutter, wie weit darf ich reisen?“ Aber das nutze ihr nichts. Sie wurde von dem Nachbarkin, das die Mutter spielte, damit bestraft, dass sie nur einen Gänseschritt machen durfte. Und jedes Mal, wenn mir das einfällt, frage ich mich: „Wie viele Menschen sind jetzt auf der Flucht?“ Die Zahlen ändern sich. Und ob man sich auf sie verlassen kann oder nicht, es sind immer mehr Menschen auf der Flucht als es Urlaubsreisende gibt. Da bin ich mir sicher.

Damals traf mich der Geistesblitz, dass die Frage meiner Tochter auch etwas damit zu tun hatte, dass Flucht und Vertreibung ein Thema war, obwohl sie damals noch so klein war, dass wir nicht darüber gesprochen hatten. Sie war für längere Zeit in einem Krankenhaus gewesen, dass weit von unserem Wohnort entfernt war. Es ist nicht das Gleich und auch nicht das Selbe, was wir auf der Flucht erlebt haben. Aber eine Entwurzelung und Vertreibung von dem Platz, an den man gehört, ist es doch. Und wenn man es genau betrachtet, hat niemand von uns das Selbe erlebt wie ein anderer Flüchtling. Und diese unerbittliche Regel gilt immer noch. Und obwohl das Erleben ein vollkommen Anderes war, war da doch eine solide Grundlage dafür, miteinander zu sprechen sich im wahrsten Wortsinn miteinander zu verständigen. Wir wurden uns in vielen Dingen einig. Das geschah, obwohl wir später nur ab und zu über die lückenhaften Erinnerungen gesprochen haben. Alles braucht eben seine Zeit. Und wir waren, wie ich jetzt weiß, klug und liebevoll genug, um keinen falschen Zwang aufeinander auszuüben. Vielleicht hat sie mir anfangs keine Vorwürfe gemacht, weil ich ihr bezogen auf ihre eigene Entwurzelung nicht so geholfen habe, wie eine „gesunde“ Mutter es tut, weil sie sich nicht getraut hat mich zu verletzen. Aber ich bin mir schon lange sicher, dass sie keinen Vorwurf gegen mich erhebt, weil sie auf die ihr eigene Art begreift, dass es mir nicht anders möglich war. Das hat Gott sei Dank funktioniert. Aber das ist nicht selbstverständlich. Und auch für die Menschen, die jetzt auf der Flucht sind, können nicht davon ausgehen, dass die Verständigung über das, was von den Folgen von Flucht und Vertreibung bleibt, so gut als möglich funktioniert. Und die Erfahrungen von Flucht und Vertreibungen werden immer viel mehr als nur einen blauen Fleck auf der Seele als Spur hinterlassen. Denn Menschen werden zurückgelassen, bleiben auf der Strecke. Wir haben uns anvertrautes Leben, eine Ziege, Gänse und Katzen zurückgelassen. Wir haben erlebt, wie unser kleiner Cousin, unsere jüngste Schwester und unser kleiner Bruder gestorben sind. Wir haben miterleben müssen, wie auf Schiffe mit Flüchtlingen geschossen wurde. Und es hört bis heute nicht auf, dass Menschen auf der Flucht zu Fuß gehen und versuchen auf Schiffen von dem Land wegzukommen, auf dem sie nicht mehr erwünscht sind, auf dem sie nicht bleiben dürfen.

Unterweisen war ein Thema in unserer Familie. Ich wurde im September 1934 in Freimarkt im Kreis Heilsberg geboren und war die Älteste von neun Kindern meiner Eltern. wir wohnten an einer Bahnstrecke, denn mein Vater und die meisten anderen meiner Verwandten arbeiteten bei der Reichsbahn. Der Zugang zu diesem Transportweg hat uns nichts genutzt. Genauso wenig wie die Tatsache, dass mein Vater nicht in der Partei war. Er wurde mit einem Zug, auf dem er Zugführer war, von den Russen verschleppt.

Wir waren nicht nur gezwungen Tiere zurückzulassen, die uns Menschen anvertraut waren. „Oh Land der dunklen Wälder und der Kristalle Seen!“ – Vor allem im Winter zeigte dieses Land seine raue Seite, seine harten Regeln. Und so zeigen die Landschaften Afrikas und anderer Weltteile gerade den Flüchtlingen ihre harten Bedingungen, Hitze, Staub und Trockenheit. Aber Wüste, Schnee und Meer sind an dem, was Menschen einander antun, unschuldig.

Es gibt viele Dinge, über die ich froh und dankbar bin. Gott sei Dank musste ich nach 1945 nie wieder fliehen. Denn als ich 1953 von Brandenburg in die Bundesrepublik reiste, haben meine Großmutter und zwei andere Menschen dafür gesorgt, dass es eine Ausreise und nicht wieder eine heillose Flucht war. Es ist mir erspart geblieben als Mutter mit kleinen Kindern oder als alte Frau auf der Flucht zu sein. Und ich freue mich über jeden Menschen, der fliehen musste und ein neues Zuhause findet. Aber wenn ich meine Augen schließe, meine Ohren zu halte, weil mir das Lamentieren über die Willkommenskultur zu laut wird und auf den Geist geht, wird in mir eine andere Frage laut. „Warum gibt es in der Zeit der Globalisierung keine Bleibekultur? Denn einen sicheren Platz zum Leben braucht jeder Mensch!“

In der Zeit unserer Flucht waren die Leute, zu denen wir kamen, oft auch sehr arm. Und es wurde auch aus Not gestohlen. Meine jüngere Schwester und ich haben mehr als einmal Brot geklaut. Aber machen wir uns nichts vor. Dei meisten Waffen, mit denen Leuten Nahrung, Kleidung und andere Habe abgepresst wurde, wurden nicht gefunden, sondern gehörten habgierigen Leuten. Denn Habgier, nicht Not, ist seit Menschengedenken eines der häufigsten Mordmotive. Das gilt auch für Massen- und Völkermord. Und wir müssen davon ausgehen, dass viele Mitbürger, die sich in den Regionen aufhielten, in denen wir heimisch waren, gab, die es gewöhnt waren zu stehen, zu vergewaltigen und zu töten. Sie hatten schon in der Zeit vorher und zwar mit „Rückenwind“ von staatlicher Seite geraubt, Menschen gequält und getötet. Und so ist es auch geblieben. Die Gewalt, die Menschen vertreibt, ist nach wie vor meist wie ein Pendel, das in eine Richtung geschlagen wird und in die andere Richtung zurückschlägt. Und immer war und ist es so, dass es Unschuldige trifft. Ein Mensch auf der Flucht war und ist ein Mensch zuviel, der auf der Flucht war oder ist. Es war und bleibt ein mörderisches Geschäft und ein ständiger Kampf um Leben und Tot. Wer anfängt oder nicht damit aufhört Vertreibung und Flucht von damals und heute gegeneinander zu vergleichen, aufzurechnen, um nichts tun zu müssen, nicht zu helfen, kein Verständnis zu zeigen, der sollte bedenken, dass sein persönliches Leid, seine persönlichen Verluste sowie das Leid und der Tod der geliebten Menschen, die er verloren hat, ebenso radikal subjektiv waren und sind, wie es das Leid, die Verluste und die Tode der Menschen sind, die heute fliehen. Wogegen das Pendel der Gewalt, das Flucht und Vertreibung bringt, sich damals wie heute der selben Maschinerie bedient. Angefangen bei den Gründen dafür, warum das Pendel angestoßen wird, bis hin zu den Gründen und der Hilflosigkeit, die die Bewegung des Pendels in Gang halten.

„Warum reißt die noch den Mund auf, obwohl ihr der Tot ihn ihr schon 2010 gestopft haben sollte?“ ich wünsche mir einfach, dass es besser wird. Die Flucht machte mich zu einem ängstlichen Menschen. Das gebe ich unumwunden zu. Aber Angst ist kein guter Berater. Sie ist nicht mehr als ein Warnsignal. Und man kann sich mit ihr auseinandersetzen. Dabei ist es mir passiert, dass ich nicht zu einem mutigen Menschen geworden bin, der seine Angst verloren hat. Aus der Entfernung zum Weltgeschehen, dass inzwischen mehr als fünf Jahre beträgt, muss ich sagen, dass ich mich so oft fremd gefühlt habe und mich aus der Distanz immer noch so viel befremdet, dass ich keine angst vor Fremden mehr habe nur noch vor fremdbestimmten Leuten, vor Hass, Hähme, Bosheit, Verleumdung und Habgier. Vor dem Tod muss ich keine Angst mehr haben. Geblieben ist das Entsetzen über jeden unnötigen vorzeitigen Tot. Doch ich habe schon zu Lebzeiten aufgehört die Toten zu zählen, die ich gesehen habe.

Aus Emmas Hundeleben: Hundstage

’nabend zusammen,

 

es war einmal eine Schreibgruppe beim evangelischen Landespfarramt für Blinden- und Sehbehindertensellsorge, das traurigerweise Ende 2015 aufgelöst wurde. Thema einer Schreibaufgabe war Umzug. Die folgende Geschichte für Hundefreunde war mein Beitrag. Und ich denke, irgendwann mehr aus Emmas Hundeleben zu schreiben. Ich schere mich ja nicht um E- oder U-Literatur!

 

Hundstag

Man fühlt sich einfach hundeelend an diesen Hundstagen. Seit Vorgestern liegt ein Gewitter in der Luft. Es kommt aber einfach nicht. Und bei dieser Affenhitze kommt man auch ganz einfach deshalb auf den Hund, will heißen, dass Hund auf sich allein gestellt ist und außerdem auf verlorenem Posten steht, weil die Menschen, um die Hund sich zu kümmern hat, diese Bullenhitze auch nicht besser vertragen als wir Hunde. Sie sind gereizt und unkonzentriert. Und spätestens am Mittag scheint ihr viel gelobter Menschenverstand in der Sonne zu verdampfen, in der sie sich freiwillig rösten lassen.

Der heutige Tag war vollkommen für die Katz. Und das fing bereits vor dem Erwachen mit diesem Albtraum an. Mir träumte, ein dicker, lauter und stinkender Mann würde mit einem Hund und zwei Katzen bei uns einziehen. Als ich erwachte, schimpfte ich mit mir selbst:
”Emma, du bist doch kein hysterischer kleiner Kläffer, sondern ein gestandener Rottweiler. Und dass Lena und Carmen noch mindestens einen Mitbewohner suchen, ist doch eigentlich gut!”
Aber dieser ekelhafte Geruch des Mannes und die Katzen gingen mir einfach nicht aus dem Sinn. Woher kannte ich diesen Geruch nur?

Ich nickte tatsächlich noch einmal ein. Kurze Zeit später hörte ich Lena die Treppe herunterkommen und stand vor lauter Schreck natürlich mit der falschen Pfote zuerst auf und war nach Lenas Meinung nicht schnell genug bei der Terrassentür.
”Emma, wo bleibst du denn so lange. Jetzt aber ‘raus mit dir, hopp!”

Und als ich gerade draußen war, machte Lena die Tür hinter mir zu. Und das ist so eine isolierte Tür. Daher konnte ich nicht hören, was meine Herrinnen bei ihrem Frühstück besprachen. Da stand ich nun wie ein begossener Pudel, weil ich merkte, dass da mehr in der Luft lag, als dieses Gewitter. ”Menschenskinder, ich passe wirklich gern auf euch auf! Aber wie soll ich das anständig tun, wenn ich nicht genau weiß, was abgeht?”

Also durchstreifte ich gewissenhaft witternd den Garten. Es war bereits so warm, dass ich beim Gartenteich angekommen, die unbändige Lust verspürte, ein angenehm kühlendes Bad zu nehmen. Aber ich darf nicht in den Gartenteich. Lena meint:
”Das ärgert die Fische.” Und mich ärgern geschlossene Türen, die außen keine anständige Klinke haben, dass Hund sie beim besten Willen nicht öffnen kann. Aber das interessiert wieder mal niemanden. Und diese Tür war so was von verschlossen.

Schließlich machte mir Carmen die Terrassentür auf und ließ mich ins Haus. Aber es war klar, dass ich den Vormittag damit würde verbringen müssen im einigermaßen kühlen Flur herumzulungern. Meine Herrinnen arbeiten zwar zu Hause, aber ich kann Lena nicht bei ihren merkwürdigen Telefonberatungen und Carmen bei ihren Übersetzungsarbeiten helfen. Vor allem Lena darf nicht wissen, dass ich, wenn sie schlafen an dem alten Computer tippen kann. Lena, die nicht so gut mit dem Geld umgehen kann und sowieso gern ins Fernsehen will, fände sonst sicher eine Möglichkeit aus meiner Fähigkeit Kapital zu schlagen. Und ich will wirklich kein Fernsehhund werden. In den Studios soll auch so eine Bullenhitze herrschen. Und ein paar Geheimnisse braucht unser einer schließlich auch.

Als das Mittagsläuten von der nahen Kirche zu hören war, kam Lena die Treppe herunter, nahm meine Leine vom Haken und klinkte sie an meinem Halsband ein. Aber wir machten keinen Mittagsspaziergang sondern einen Einkauf, der mir allerdings viel Aufschluss gab über den weiteren Tagesverlauf. Wir gingen zuerst zum Supermarkt, bei dem meine Herrin Obst, Gemüse und Milchprodukte kaufte. Danach ging Lena in die Metzgerei. Als sie wieder aus dem Laden kam, roch es aus ihrer Tasche köstlich nach Koteletts, Würstchen und Bauchfleisch. Und das konnte nur eins bedeuten. Heute sollte Besuch zum Grillen kommen. Ich mag die Grillerei eigentlich nicht. Der Feuergestank geht mir auf den Geist. Aber immerhin fällt normalerweise eine ordentliche Portion ungewürztes Fleisch oft sogar mit Knochen für mich ab. Auch in der Bäckerei kaufte meine Herrin noch ein. Aber sie nahm von dort nicht nur Brot sondern auch Kuchen mit. Also würde der Besuch bereits zum Kaffeetrinken kommen.

Endlich wieder zu Hause angekommen, musste ich eine derbe Enttäuschung hinnehmen. Lena bereitete das Fleisch vor, würzte es und legte es ein, ließ aber nicht ein einziges Häppchen ungewürzt und schnitt nicht einen kleinen Knochen heraus. Was konnte das schon für ein Besuch sein, der Menschen ohne Not dazu treibt, den gerechten Anteil für den treuen Rottweiler zu vergessen? Und schon wieder musste ich an den stinkenden Kerl in meinem Alptraum denken. Im Grunde bin ich ein sehr wachsames aber auch gastfreundliches Haustier. Doch als die Kühlschranktür hinter dem Fleisch zuging, von dem ich nichts abbekommen sollte, war mir die Lust auf diesen Besuch schon vollkommen vergangen, obwohl er noch keinen Fuß in mein Revier gesetzt hatte. Und dann hieß es erst mal wieder warten.

Schließlich kam Carmen die Treppe herunter, deckte den Tisch und kochte Kaffee. Als sie die Thermoskanne mit dem Kaffee auf den Tisch gestellt hatte, ging sie noch einmal nach oben, um sich frisch zu machen. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern, bis der besuch kommen würde. Ich ging witternd und mit gespitzten Ohren im Flur auf und ab. Irgendwann hielt ein Auto vor unserem Hoftor und zwei Männer stiegen aus. Gemeinsam gingen sie auf die Haustür zu, wo sich der eine von dem anderen Mann verabschiedete, bevor er zurück zum Auto lief. Und der andere, der tatsächlich so stank wie der Typ in meinem Alptraum, wartete, bis er seinen Fahrer nicht mehr hören konnte, tastete nach dem Klingelknopf, wie ich es von Carmen kenne, die nichts sehen kann, wartete noch einmal ein bisschen. Und genau in dem Augenblick, als er Sturmklingeln wollte, um uns alle zu erschrecken, schlug ich kräftig an. Gegen solche Wichtigtuer habe ich wirklich was. Und weil er mich hatte ärgern wollen und mir schwitzend und mit dem falschen Männerparfüm so gewaltig stank, bekam er nicht gerade mein freundlichstes Begrüßungsbellen zu hören. – Ein Knurren im Ansatz, lautes Bellen in der Mitte und ein grollender Ausklang. Der Mensch erschreckte sich zwar zunächst gewaltig, blieb aber doch weitgehend unbeeindruckt und setzte bald zu dem geplanten Sturmklingeln an.
”Emma, aus!” schrie Lena, als sie gemeinsam mit Carmen die Treppe herunter kam. Dieser keifende und gemeine Unterton in ihrer Stimme hätte wirklich nicht sein müssen, obwohl ich gerade die starke Lust verspürte, bei meinem Drohen noch einen Zahn zuzulegen, aus tiefster Brust zu knurren und deutlich hörbar die Lefzen hochzuziehen. Aber gehorsam, wie ich nun mal bin, stellte ich meinen Protest gegen diesen Stinkstiefel augenblicklich ein und verzog mich unter den Wohnzimmertisch. Ich konnte mich ja leider nicht vollkommen zurückziehen. Denn ich musste herausfinden, ob sich mein Alptraum tatsächlich bewahrheiten würde. Bei Menschen weiß man ja nie.

Zunächst unterhielten sich die Menschen im Flur. Und als ich seine Stimme hörte, fiel mir plötzlich ein, woher ich diesen Lackaffen kannte. Er war einmal mit Carmen ausgegangen, als ich noch ein Welpe gewesen war. Es war ein sehr langer Abend in einer Kneipe in der Innenstadt geworden. Er hatte fiel auf Carmens kosten getrunken, und er hatte geredet und geredet. Wen er alles kannte, was er alles konnte, was er alles noch vor hatte, wie schön er war, wie klug er war, wie fleißig er war usw. usw.
Und er hatte ihr geschmeichelt und das nicht nur, weil sie die Rechnung für diesen Abend begleichen sollte. Wie schön sie war, wie klug sie war, was sie alles wusste etc. Etc. aber woher wollte ausgerechnet er diese Dinge über sie wissen. Er ließ sie kaum zu Wort kommen. Und wenn sie doch etwas sagen durfte, hörte er ihr nicht richtig zu. Er wartete nur auf Schlagworte, die ihn interessierten, um dann wieder weiter von sich zu reden. Er heißt übrigens Horst.

Horst ließ sich von Lena in unser Wohnzimmer führen und setzte sich auf das Dreiersofa. Er beugte sich zu mir herunter, tätschelte mir die Seite und redete auf mich ein:
”ach, Emma, wie schön, dass wir uns wieder sehen. Was für ein braver Hund du bist. So eine liebe Emma!”

Carmen und Lena kamen mit dem Kuchen und setzten sich ihm gegenüber. Das passte Horst gar nicht und mir fiel ein, dass er schon damals in der Kneipe so sehr auf Tuchfühlung zu Carmen gegangen war. Sie hatte das nicht gemocht. Aber sie ist immer so gutmütig und zurückhalten, wie man bei solchen Typen nicht sein darf. Ich war und bin gewarnt. Und für dieses Mal war es erst einmal nichts mit der anmaßenden Annäherung. Beleidigt durch die Distanz seiner Artgenossinnen tätschelte Horst mir abermals die Seite und redete wieder auf mich ein:
”Na, Dicke, wie geht es uns bei dieser Hitze?”
Und Lena war so dumm darauf zu reagieren:
”Ja, also das ist so eine Sache bei dieser Art von Hunden. Selbst ich denke immer noch, dass sie zu dick und zu schwerfällig ist!”
Es war Carmen, die das aussprach, was ich dachte:
”Das, was Emma auf ihren kräftigen Knochen hat, ist ausschließlich bestes Muskelfleisch! Wovon sollte sie auch dick sein. Sie trainiert fleißig im Hundeverein und ist auch sonst nicht faul.”

Horst und Lena sprachen dem Kuchen reichlich zu.  – Wer ist oder wird hier zu dick? – Und er redete und redete. Wen er alles kannte, was er alles konnte, was er alles noch vor hatte, wie schön er war, wie klug er war, wie fleißig er war usw. usw.

Irgendwann erzählte er, dass er für sich und seine Tiere ein neues Zuhause suchte. Nach dem Auszug seiner Freundin konnte er sich die Wohnungsmiete nicht mehr leisten. Und meine Herrinnen zeigten ihm natürlich das ganze Haus vom Keller bis zum Dachboden. Carmen tat es aus reiner Gutmütigkeit, während ihre Zwillingsschwester es tat, weil sie diesen Kerl anhimmelte. – aber wofür nur?

Am Abend grillten sie und stießen auf ihre neue Hausgemeinschaft an. Und er redete und redete.
Wen er alles kannte, was er alles konnte, was er alles noch vor hatte, wie schön er war, wie klug er war, wie fleißig er war usw. usw. Aber dazu kann man nur sagen, dass er das ist, was die Menschen einen Schaumschläger oder Dünnbrettbohrer nennen. Also kann ich ihn nur als einen Luftschnapper oder Wasserbeißer bezeichnen. Warum hatte er nicht wenigstens seine Hündin mitgebracht, damit wir uns ganz sachlich über die Menschen und die anderen Hausgenossen hätten unterhalten können?

Es war bereits schon längere Zeit dunkel, als Lena und ich Horst zur Bushaltestelle brachten und warteten bis er eingestiegen war. Auf dem Rückweg schimpfte meine Herrin mit mir:
”Was ist nur los mit dir, alte Miesepeterin? Du hast ja zu überhaupt nichts mehr Lust!”
”Och, so würde ich das nicht sagen. Es gäbe da schon ein paar Dinge auf die ich richtig viel Lust hätte, ein angenehm kühlendes Bad im hauseigenen Teich, eine angemessene Portion ungewürztes Fleisch nach Möglichkeit mit Knochen und die Aussicht auf eine unkomplizierte und nette Hausgemeinschaft.”

Ich höre deine Stimme oder alte Freundschaft schützt vor Liebe nicht

Guten Tag,

 

so was kommt dabei heraus, wenn die Paula einen ganzen Samstag Nachmittag Zeit hat und zwei Wochen vorher im zarten Alter von 42 Jahren von Amors Pfeil getroffen wurde.

 

Liebe Grüße

 

Paula Grimm

 

Ich höre deine Stimme oder Alte Freundschaft schützt vor Liebe nicht

 

Das Telefon klingelt am Samstagnachmittag. Ich nehme den Anruf entgegen und sage, wie es meiner Gewohnheit entspricht, einfach nur meinen Nachnamen. Du antwortest ebenfalls auf eine ganz einfache Art mit einem kurzen Gruß und mit deinem Vornamen. Und ich höre deine Stimme, die ich mehr als ein halbes Jahr nicht habe hören dürfen. Du fragst mich nicht, warum ich mich so lange nicht gemeldet habe. Der Jubel, der in mir ausbricht, löst diese Frage aus. Ich höre deine Stimme nach dieser längeren Zeit, in der ich auf ihren Klang verzichten musste, nicht, als hörte ich sie zum ersten mal. Deine Stimme ist nicht nur meinem Ohr direkt beim ersten Ton vertraut, obwohl mit dem ersten Wort, das du zu mir sprichst, augenblicklich alles anders ist, als es bislang war. Ich höre deine Stimme und mir wird klar, dass sei mir seit so vielen Jahren vertraut ist, dass ich sie nicht mehr an den Fingern meiner linken Hand, der Hand, die von Herzen kommt, zählen kann. Ich höre deine Stimme und kann und will von der ersten Silbe an nichts Anderes als mich dir mit allen Fasern meines Seins anzuvertrauen. Ich höre deine Stimme und kann und will nichts weiter tun als sie mir zu Herzen zu nehmen. Und nach mehr als vierzig Jahren Lebenszeit bekommt das Wort Herzensmann für mich.

Ich höre deine Stimme, die wie eh und je tief und warm klingt. Etwas rau klingt sie auch, damit kein falsches Wort den Schwung bekommt, um einfach so „‚rauszurutschen“. Ich höre deine Stimme, und was diesem Gespräch auch folgen mag, ich spüre und weiß, dass mir jetzt jedes Wort und sogar jede einzelne Silbe, nur mir gilt. Ich höre deine Stimme und höre jedes einzelne Wort und sogar jede einzelne Silbe so gern, dass ich selbst kaum etwas sage, mich an dir satt hören möchte und einfach glücklich bin, deinen Plauderton zu vernehmen. Ich höre deine stimme. Das Hören braucht seine Zeit. Und Deine Worte brauchen ihre Zeit. Es ist Zeit, die wir uns füreinander nehmen. Es ist Zeit, die wir einander schenken. Es ist Zeit, die uns im wahrsten Sinne des Wortes gehört. Und es ist Zeit, die uns nichts und niemand nehmen kann, was immer auch geschehen mag.

Ich höre deine Stimme und bin auch von Dankbarkeit erfüllt. Ich bin dankbar für deine offenen und persönlichen Worte, die du im Verlauf des Gesprächs vertrauensvoll an mich richtest, zu hören. Dankbar lasse ich zu, dass deine offenen Worte mein Ohr und mein Herz aufschließen. Voller Dankbarkeit nehme ich wahr und in mich auf, wie viel Freude in deiner Stimme klingt, Freude darüber, dass ich endlich ein offenes Ohr für dich habe und dir auch mein Herz öffne. Ich höre deine Stimme, die mir mit jedem Wort und sogar mit jeder Silbe sagt, wie sehr dich das Reden und mein Zuhören entspannt und stärkt. Und ich bin jetzt sehr dankbar dafür, was auch immer kommen mag.

Ich höre deine Stimme, wie sie sich von mir verabschiedet. Du entschuldigst dich dafür, nichtmehr Zeit für mich zu haben. Dafür müsstest du dich bei mir nicht entschuldigen. Denn ich merke sowieso, dass du dich schweren Herzens von mir verabschiedest, denn ich höre nicht nur deine Worte. Ich höre deine Stimme.

Und dann höre ich deine stimme nicht mehr. Ich habe den Hörer aufgelegt,

damit dieser Ton verstummt, damit es still ist an diesem Samstagnachmittag. Und das Telefon bleibt auch still. Aber ich höre plötzlich in der Stille eine Stimme in meinem Kopf. Ich höre eine stimme, deren klang ich in- und auswendig kenne. Ich höre eine Stimme, bei der ich nicht nur kein Vertrauen schöpfen kann und auch nicht mehr vertrauen will. Es ist die Stimme desjenigen Mannes, der meiner seit so vielen Jahren vollkommen habhaft werden will, dass ich diese nicht mehr an den Fingern meiner rechten Hand, der Hand, die die Arbeit tut, zählen kann. Er ruft mich nicht regelmäßig aber doch zu oft an stillen Samstagnachmittagen an, da er die stille und das Stillsein nicht erträgt. Seine Stimme könnte angenehm sein durch ihre Tiefe. Doch er nuschelt und hastet vor sich hin, wenn er mit mir spricht. Und auch heute redet er von sich, von seinem Fußballverein und von dir, obwohl er dich kaum kennt. Und dann fragt er schließlich, was ausgerechnet ich mit einem neuen Verhältnis zwischen uns, mit einem offenen Herzen, einer neuen Wahrnehmung und deiner Zuneigung überhaupt anfangen kann.

© Paula Grimm, Februar 2008